Ruhrgebiet

Querbeet

Lächeln für lau

Heute morgen habe ich eine seltsame Erfahrung gemacht. Im Supermarkt habe ich eine Frau angelächelt. Einfach so. Mir war danach. Sie schaute mich total verhuscht an und sagte:”Ok, Sie haben mich erwischt”. Jetzt war ich irritiert. “Ich habe die Mandarinen einfach hier abgelegt, ich weiß, das sollte man nicht machen. Aber es gibt doch Schlimmeres…” Sie zieht ein Schüppchen. Ich sagte, ich hätte sie nicht erwischt und mir sei ja gar nichts aufgefallen und außerdem habe ich nur aus Lust und Laune gelächelt, einfach so. “Ach so”, meinte sie. “Ich dachte, Sie hätten mich ertappt. Heute lächelt ja kaum noch jemand, obwohl das ja nichts kostet. Ich hoffe, ich begegne Ihnen noch einmal :-)”

Ein Lächeln kostet nichts, das stimmt. Und ein Lächeln von einer fremden Person fängt man auch eher selten ein, das stimmt auch. Ich weiß nicht mehr, wer mich darauf gebracht hat, aber vor einiger Zeit, habe ich mir vorgenommen, mindestens einmal am Tag irgendeinen wildfremden Menschen anzulächeln. Mittlerweile, mache ich es meist ohne nachzudenken. Am Anfang mußte ich es ganz bewußt tun. Das hat mich wirklich erstaunt, denn ich halte mich für einen freundlichen und offenen Menschen. Das bin ich ja auch, aber wenn ich so durch die Stadt laufe, dann laufe ich doch meistens so in meiner eigenen kleinen Schneekugel, die mir emotionalen und körperlichen Abstand garantiert. Manchmal daraus herauszutreten und jemand anlächeln, ist aber mal ‘ne schöne Abwechslung und die meisten Leute freuen sich, auch wenn sie oft irritiert sind.

Früher (wann?) war ein freundliches Lächeln auf der Straße wahrscheinlich wesentlich üblicher. Man begegnete sich immer wieder auf der Straße, grüßte, winkte, lächelte. Heute sind wir Städter so abgeschottet. Wir fahren in Autos von A nach B, ist ja auch praktisch, aber wir begegnen uns nicht mehr direkt. Wir stehen nebeneinander an der Ampel und nehmen uns nicht wahr. Natürlich wäre das auch sehr anstrengend, bei dem ganzen Verkehr. Aber hin und wieder könnte man sich ja 10 Sekunden Zeit nehmen und ein Lächeln rüberschicken. Oft kommt eins zurück :-)

Also Leute, lächelt :-) Mindestens einmal am Tag….

Kommentare

5 Kommentare zu “Lächeln für lau”

  1. Ich lächle ganz oft wildfremde Menschen an. Gerade noch etliche Leute im Supermarkt. Ebenso, wie ich vernünftig oft Danke und Bitte und Hallo sage, zum Beispiel an der Käsetheke - im Gegensatz zu den meisten anderen Deutschen, behaupte ich mal. Das ist ein Überbleibsel aus meiner Zeit in Australien, welches ich mir vorgenommen habe, mir nicht wieder abzugewöhnen. Dort ist das völlig normal, gehört zum guten Umgangston. Egal, wo man ist (Telefon, Wursttheke, Coffeeshop, Saftbar, Klamottenladen oder bei der Arbeit), man sagt IMMER “Hallo, wie geht’s” und bekommt die gleiche Frage ebenso gestellt. Erst wenn beide darauf geantwortet haben (wenn auch floskelhaft), sagt man, was man gerne hätte. Alles andere ist stinkeunfreundlich. Ein bisschen was davon können wir hier ruhig übernehmen.
    Es ist jedenfalls spannend zu sehen, wie die Leute reagieren. Manche nehmen es gar nicht wahr, andere gucken umso grimmiger zurück und wieder andere sind völlig überrascht, dass ihnen überhaupt mal jemand vernünftig in die Augen sieht und dabei sogar lächelt. Höchst interessant!
    Ich unterstütze somit deine “Aktion” sehr gerne! :)

    Kommentar von Muschelschubserin | 4. Dezember 2007, 14:38
  2. ein sehr schönes Überbleibsel…
    Manchmal finde ich’s witzig, dass man hierzulande Leute mit einem Lächeln schocken kann, wie heute morgen passiert… Und traurig ist es aber auch.
    Dabei heißt es doch “a smile a day keeps the doctor away” ;-)

    Kommentar von Klaudia | 4. Dezember 2007, 15:32
  3. ein schoener text.
    ja, so was habe ich auch schon erlebt. habe mich allerdings auch schon dabei ertappt, dass ich brummig durch die weltgeschichte laufe. und als ich mal fuer laengere zeit in einer 10 000 einwohner-kleinstadt gewohnt habe, fand ich es allerdings auch nicht so prickelnd, alle fuenf minuten auf der strasse angelaechelt und mit namen gegruesst zu werden. alles hat eben seine licht- und seine schattenseiten ;-).

    Kommentar von weltkind | 4. Dezember 2007, 16:50
  4. Da hast du einen sehr schönen Beitrag geschrieben. Auch ich habe solche Erfahrungen schon gemacht - Die Leute sind fast schon fassungslos, wenn man einfach mal ohne Grund freundlich ist.

    Ein freundliches Wort und ein kurzes Lächeln ist wirklich eine Seltenheit geworden. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und nimmt andere um sich herum scheinbar gar nicht mehr wahr. Zugegeben, wahrscheinlich lauf ich manchmal auch nicht anders durch die Straßen.

    So wie es in Australien ist, könnte es hier ruhig auch sein.

    Ein Lächeln oder ein freundliches Wort kann einem den ganzen Tag retten und kostet nix.

    Kommentar von reviersterchen | 4. Dezember 2007, 21:33
  5. [...] bereit, irgendwas mit anderen Menschen zu teilen, wenn sie keine Gegenleistung erwarten können. Es fällt vielen sogar schwer, sich ein Lächeln abzuringen. Wenn es um das eigene mehr oder weniger hart erworbene Wissen geht, fällt es noch schwerer davon [...]

    Kommentar von Fragen kostet nix! Antworten bekommen auch nicht. | knospenspringen | 14. Oktober 2009, 09:52

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