Ruhrgebiet

Konzerte

“Eichbaumoper” – Eröffnung der Opernbauhütte

Eine U-Bahnstation wird zum Opernhaus. Sowas verrückt geniales kommt zustande, wenn sich ein paar kreative Köpfe zusammenhocken und ihren Ideen freien Lauf lassen. Eine U-Bahnstation im Grenzgebiet zwischen Mülheim und Essen unterhalb der A 40 auf der Strecke der U 18 wird sich in den nächsten Monate in ein Opernhaus verwandeln. Der ungeliebte Angstraum der bisher von Anwohnern gemiedenen Haltestelle “Eichbaum” soll in einen glücklicheren Ort umgewandelt werden:

„Eichbaum“ ist das Paradigma einer verlorenen Utopie, ein Un-Ort, der scheinbar das Ende jeder Hoffnung markiert. Bauliche Maßnahmen und Appelle bleiben wirkungslos: der Ort widersetzt sich allen pragmatischen Zugriffen. Deshalb kann „Eichbaum“ nur durch eine Vision erlöst werden: „Eichbaum“ muss Oper werden. Um ein Ort zu werden, in dem Menschen sein können, muss „Eichbaum“ von einem realen Unraum zu einem utopischen Klangraum werden. Nur die utopische Kraft der Oper kann diesen Ort verwandeln. Die Oper ist in der Lage, den Erinnerungen und Ängsten, den vielen Stimmen, Klagen und Klängen, die durch „Eichbaum“ geistern, einen Raum zu geben. Die Oper kann sie zu Gehör und zur Ruhe zu bringen. Sie nimmt die Geschichten und Erfahrungen der Menschen an diesem Ort in sich auf und verwandelt sie in Musik und Gesang. Damit formuliert sie den extremen Gegenentwurf zur Realität dieses verlorenen Ortes.

Das Projekt Eichbaumoper ist eine Kooperation aus Komponisten, Textern und Raumplanern (raumlaborberlin, Schauspiel Essen, Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, Ringlokschuppen Mülheim)

Eröffnungsfest der Opernbauhütte ist am 21. September 2008 ab 14:00 Uhr. Das Programm:
14:00 Uhr – Wir stellen uns vor
18:00 Uhr – Wir kochen
21:00 Uhr – Wir machen Musik

Wo:
U-Bahnstation “Eichbaum”
U-Bahnlinie U-18

Kommentare

2 Kommentare zu ““Eichbaumoper” – Eröffnung der Opernbauhütte”

  1. Die Angsthaltestelle meiner Kindheit und Jugend soll also Oper werden!? – Das musste ich mir selbst ansehen … und war bei der Eröffnung.
    Morgens sah ich Matthias Rick vom raumlabor berlin noch im Fernsehen bei west.art und nachmittags war er ein paar Meter von meiner Haustür entfernt angetreten, um zu erklären, was es mit der Eichbaumoper auf sich hat.
    Ich muss gestehen, der Anblick der graffitibesprühten Haltestelle, auf der eine kleine Bühne aufgebaut war, wirkte irgendwie befremdlich. Wie bizarr – an diesem schmutzigen, stinkenden Ort, den wir als Kinder meiden mussten, gab nun die Opernsängerin Richetta Manager Opernarien zum Besten. Und gerockt wurde später auch noch: von Bernadette La Hengst. Vor einem, zugegebenermaßen, kleinen aber nicht weniger begeisterten Publikum.
    In den kommenden Wochen wird nun eine aus Überseecontainern bestehende Opernbauhütte aufgebaut, in der die Künstler an der Oper arbeiten werden. In Zusammenarbeit mit den Anwohnern. Eine großartige Idee, denn so besteht eine Chance, dass diese Haltestelle in Zukunft aufgewertet wird. Allerdings reicht es dafür nicht aus, eine einmalige Oper aufzuführen, sondern es müssten grundlegende bauliche Veränderungen stattfinden, damit die Haltestelle übersichtlicher, heller und damit sicherer wird. Dazu bedarf es allerdings der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, was durch die “Eichbaumoper” erreicht werden könnte. Umso bedauerlicher und ärgerlicher ist es, dass in den regionalen Zeitungen nicht ein Bericht über die Eröffnung am Sonntag zu finden war.
    Deshalb schreibe ich diesen Kommentar hier, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für “Eichbaum”!

    Kommentar von Michaela | 27. September 2008, 18:47
  2. Hallo Michaela,
    vielen Dank für deinen ausführlichen und leidenschaftlichen Kommentar.

    Ich war zur Eröffnung auch dort. an dem musikalischen Teil am Abend war ich besonders interessiert. und so kam ich um kurz vor 21 dort an. Leider wurde dort gerade alles abgebaut. Im Internet wurde leider eine falsche Zeit, die ich auch hier so weitergegeben habe mitgeteilt. Sehr schade!

    Ich hätte es wirklich gerne gesehen und bin bei der nächsten Veranstaltung dabei. Unabhängig davon, ob sie kostenlos ist oder nicht ;)

    Solche aussergewöhnlichen Projekte finde ich sehr unterstützenswert. Wenn ich rechtzeitig davon erfahre, kündige ich entsprechende Veranstaltungen auch gerne hier an. Ich drücke der Eichbaumoper beide Daumen!

    Liebe Grüße nach Mülheim (oder ist es schon Essen?),
    Klaudia

    Kommentar von Klaudia | 28. September 2008, 17:35

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